Die LUBW hat für den Neckar im Bereich Hofen die Alarmstufe des Sauerstoffreglements ausgelöst. Der Sauerstoffgehalt war auf kritische Werte abgesunken. An der Messstation Hofen wurde zeitweise sogar nur noch ein Stundenmittelwert von 2,2 mg/l gemessen – ein Bereich, in dem Fische bereits erheblich gefährdet sind.
Daraufhin wurden an den Flusskraftwerken Cannstatt und Hofen Maßnahmen angeordnet. Zunächst wurden die Wehre abgesenkt. Da dies nicht ausreichte, ordnete die LUBW zusätzlich eine Turbinenbelüftung an. Die Maßnahmen wurden anschließend um weitere 24 Stunden verlängert.
Aus Sicht des Württembergischen Anglervereins stellt sich jedoch die Frage, ob diese Maßnahmen in einer solchen Situation ausreichend sind.
Unserer Auffassung nach wäre es sinnvoll, in einer akuten Gefährdungslage möglichst die gesamte zufließende Wassermenge über die Wehre als Wasserfall abzugeben. Dadurch würde der Sauerstoffeintrag deutlich verbessert. Eine solche Maßnahme könnte zwar zeitweise die Schifffahrt einschränken und die Stromerzeugung unterbrechen – sie würde aber den Schutz der Fischbestände in den Mittelpunkt stellen.
Es stellt sich deshalb die grundsätzliche Frage:
Welche Priorität hat in einer akuten Sauerstoffkrise der Schutz des Lebens im Fluss gegenüber wirtschaftlichen Interessen?
Die Alarmpläne werden abgearbeitet. Doch wenn trotz aller Maßnahmen weiterhin lebensbedrohlich niedrige Sauerstoffwerte auftreten, muss auch über weitergehende Maßnahmen gesprochen werden.
Bereits Ministerpräsident Hans Filbinger prägte den Satz:
„Nur die dummen Fische sterben.“
Ein Satz, der damals viel Kritik auslöste.
Herr Ministerpräsident Özdemir – wie ist Ihre Haltung zu dieser Frage?
Bild: MP Filbinger bei der Einweihung des Gewässeruntersuchungsbootes Bärbele (früher Poseidon) des Württembergischen Anglerverein e.V.