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Spätes und doppeltes Angler-Glück

Blinder Angler mit Erfolg

Regierungspräsidium und WAV geben grünes Licht.

Erste Beute: 1 Nase und 1 Karpfen


Was der Welt am meisten fehlt sind Menschen, die sich mit den Nöten anderer beschäftigen, sagt Albert Schweizer. Dass es auch ganz anders sein kann, das hat der Kornwestheimer Klaus Fiedler erfahren dürfen. Er darf wieder fischen.
Der Abgeordnete Klaus Herrmann MdL hat beim Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl erwirkt, dass ihm eine Sondererlaubis erteilt wird die es ihm ermöglicht, trotz seiner Erblindung wieder fischen zu gehen. Und auch der Vorsitzende des Württembergischen Angelvereins (WAV) Hans‐Hermann Schock hat mit zu diesem späten Angler‐ Glück beigetragen.
Seit fast 25 Jahren ist der heute 71jährige Klaus Fiedler blind. Trotz seiner Sehbehinderung hat er bis im Jahr 2004 noch immer oft die Angel ausgeworfen. Leider waren die vollständige Erblindung und daraus folgend der Mangel an Gelegenheit mit jemandem mitzugehen dann der Grund, weshalb der Fischereischein nicht mehr verlängert wurde. Als dann vor knapp zwei Jahren seine Tochter Heike Herrmann die Fischerprüfung ablegte, hätte er nun gemeinsam mit ihr und seinem Schwiegersohn Jürgen Böltz seine Ruten auswerfen können. Wenn da nicht die Hürde gewesen wäre, den Fischereischein zu verlängern. Das wurde aber auf dem Kornwestheimer Rathaus kategorisch abgelehnt. Denn die gesetzliche Regelung besage, dass eine Fischereiprüfung nachgewiesen werden müsse, wenn nicht nahtlos eine Verlängerung dokumentiert sei. Dass ich mit 71 Jahren als Blinder nun noch eine schriftliche Fischerprüfung ablegen soll, war für mein Hobby das Aus, schildert Klaus Fiedler die Situation.

Doch der Landtagsabgeordnete Klaus Herrmann, der von der Lage erfuhr, wollte das so nicht stehen lassen. Er wandte sich in einem Schreiben an die zuständige Fischereibehörde  namentlich Herrn Regierungspräsident Johannes Schmalzl und bat um Prüfung, ob für Schwerbehinderte bzw. in vorliegendem Fall eine Sonderregelung möglich sei.

Diese wurde dann auch binnen Wochenfrist erteilt. Klaus Fiedler konnte sein Glück kaum fassen, als er Post bekam vom Regierungspräsidium. Seine Sondererlaubnis ermöglicht ihm nun mit einer Begleitperson die einen gültigen Fischereischein besitzt angeln zu gehen. Doppelt empfindet Klaus Fiedler dieses späte Glück, denn auch der WAV, bei dem das Ehepaar Heike Herrmann und Jürgen Böltz Mitglied sind, stellten Klaus Fiedler auf ihren Antrag hin ein Fangbuch aus, das auf seinen Namen lautet. Er wird nun regulär als Familienmitglied der Familie Herrmann/Böltz beim WAV geführt.

Dass Klaus Fiedler in den letzten sechs Jahren das Fischen nicht verlernt hat, stellte er gleich bei der ersten Angeltour mit seinen Begleitern unter Beweis. Aus dem Neckar fischte er eine dort wirklich selten anzutreffende Nase, der er sorgsam und schonend wieder die Freiheit schenkte. Und einen 3,2 Kilo schweren Karpfen. Den wird ihm seine Frau Christa für ein Festmal mit Kindern und Enkelkindern zubereiten. Ich war auch schon mit einer 17 köpfigen Gruppe mit dem WAV an der Donau und habe 6 Forellen mitgebracht, strahlt Klaus Fiedler. Dass ihm soviel Untersützung von allen Seiten zuteil wurde und er immer die helfenden Hände bekommt die er ja braucht um seinem Hobby nachzugehen, erfüllt ihn mit großer Dankbarkeit. Es ist nicht nur das Fischen selbst, sondern auch, endlich wieder in der Natur zu sein und am Wasser. Aber: Beim nächsten Angelausflug hoffe ich auf einen Waller!.

Fotos und Text: Heike Herrmann

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